In meinem Auslandssemester in Bogotá hatte ich einen Kurs über Lieferketten, dort lernte ich Daniel kennen. Wir hatten zunächst nicht besonders viel miteinander zu tun, doch das sollte sich gegen Ende des Semesters ändern. In der letzten Stunde vor Semesterende brachte er ein T-Shirt in den Kurs mit und lies es durch die Reihen wandern. Dazu muss man eine Sache verstehen und zwar haben Kolumbianer eine Eigenart: Einen stark ausgeprägten Geschäftssinn, der sich durch alle Bevölkerungsschichten zu ziehen scheint. Auf der Straße kann man sowieso fast alles kaufen, jedoch ist es auch nichts ungewöhnliches, dass sogar die „reichen“ Studenten mit Tupperdosen voller Kekse durch die Uni laufen und sie dir anbieten. Für meist um die 2.000 Pesos gibt es einen selbstgebackenen Cookie. Umgerechnet sind das etwa 40 Cent. Kein schlechter Deal - zumindest wenn man die guten Bäcker kennt. Aber zurück zum Thema. Mein erster Gedanke war natürlich: „Na super, schon der dritte der dir heute was verkaufen möchte.“ Unser Professor, zufälligerweise Deutscher, meinte dann zu mir: „Carl, schau dir das mal an - das ist kein normales T-Shirt.“ Als ich das T-Shirt dann in der Hand hatte, war ich beeindruckt. Es war sehr glatt, hatte ein angenehmes Gewicht und machte insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck. In Deutschland würde man für so eine Art Shirt locker 60-80€ hinblättern müssen, dachte ich. So entschied ich, eines zu kaufen und sagte Daniel, dass ich weitere kaufen würde, wenn es mir auch nach zehn bis zwanzig mal waschen noch gefällt. Gesagt, getan: Am Ende des nächsten Semesters kaufte ich ihm weitere zehn Shirts ab und brachte sie meiner Familie und meinen Freunden mit. Als ich merkte, dass ich tatsächlich nicht der einzige war, der von den Shirts begeistert war, rief ich Daniel an und fragte ihn, was er davon halten würde, wenn wir die Shirts nach Deutschland bringen. Er war Feuer und Flamme und sagte, dass er sich super gerne, um die Produktion kümmern würde, denn: Die Kleidung, die Daniel verkauft, wird in einer kleinen Fabrik in Barranquilla an der Karibikküste Kolumbiens von seinem Vater Juan persönlich hergestellt. Und so beschloss ich hier eine Firma zu gründen und die Marke im Namen unserer Freundschaft nach uns zu benennen.